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Studie: Was CEOs nachts nicht schlafen lässt
Vierter Top-Manager-Index (TMI) von A.T. Kearney

Zürich, 29. Juli 2005

Schweizer Top-Manager stehen der EU-Erweiterung heute positiver gegenüber als im November 2004. Die EU-Erweiterung bewirkt gemäss ihrer Einschätzung steigende Wettbewerbsfähigkeit und eine zunehmende Bedeutung des Wirtschaftsstandorts Schweiz. Für Top-Manager aus der Schweiz, Deutschland und Österreich sind mögliche globale Finanzkrisen und die wirtschaftliche Stagnation Westeuropas die grös-sten Bedrohungen für Unternehmen und Wirtschaftsstandorte. Diese Resultate gehen aus dem aktuellen Top-Manager-Index (TMI) der Unternehmensberatung A.T. Kearney und dem Institut für Unternehmensführung der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) hervor. Der TMI erfasst die Einstellungen der deutschsprachigen Top-Manager zu den zentralen globalen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und persönlichen Herausforderungen. 61 Schweizer Unternehmen beteiligten sich an der grössten Top-Manager-Umfrage im deutschsprachigen Raum.

Bereits zum vierten Mal führte das Management-Beratungs-Unternehmen A.T. Kearney die Studie Top-Manager-Index (TMI) durch. Der TMI wird regelmässig unter den Top-Managern der jeweils 500 umsatzstärksten Unternehmen in der Schweiz, Deutschland und Österreich erhoben. Erfasst werden jeweils die Einschätzungen der Manager zu den Auswirkungen des globalen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels und zu den sich daraus ergebenden persönlichen Herausforderungen. Über 300 Unternehmen – davon 61 aus der Schweiz – beteiligten sich an der Studie.

EU-Erweiterung: Schweizer Manager deutlich positiver

Die Einstellung der Schweizer Top-Manager zur EU-Erweiterung hat sich im letzten halben Jahr deutlich verbessert. 85 Prozent beurteilen sie mittlerweile positiv, was eine Steigerung um sechs Prozent bedeutet. Damit unterscheiden sich die Schweizer Top-Manager von ihren Kollegen in Deutschland und Österreich. Dort hat die positive Einschätzung im gleichen Zeitraum um sieben (auf 74 Prozent) respektive um 19 Prozent (auf 86 Prozent) abgenommen.

Knapp 80 Prozent der Schweizer Manager erwarten durch die EU-Erweiterung Wachstum, eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes Schweiz. In Deutschland erwarten dies nur noch 67 Prozent für ihr Land und damit knapp 20 Prozent weniger als im November 2004.

Sorgen bereitet den Managern die erwartete Zunahme der Wirtschaftskriminalität. 69 Prozent der Schweizer Manager befürchten eine Vermehrung der Delikte. Im November 2004 waren es lediglich 36 Prozent. Auch in Deutschland und Österreich wird ein Anstieg vorhergesagt: Über 90 Prozent meinen, dass die Wirtschaftskriminalität zunehmen wird. „Neben einer grundsätzlich politischen Verantwortung kann auch jedes Unternehmen mit geeigneten organisatorischen Massnahmen dafür sorgen, dass dem befürchteten Anstieg der Wirtschaftskriminalität begegnet werden kann“, sagt Manfred Tuerks, Managing Director, A.T. Kearney (International) AG, Zürich.

Finanzkrisen grösste Bedrohung

In der Beurteilung der grössten Bedrohungen sind sich die Top-Manager einig: Finanzkrisen werden von 63 Prozent – in der Schweiz sogar von 67 Prozent – aller Befragten als grosse globale Bedrohung wahrgenommen. Damit stellen Finanzkrisen vor Krieg und Terrorismus das mit Abstand grösste globale Risiko in der Wahrnehmung der Manager dar. Entsprechend gaben 61 Prozent an, auf Finanzkrisen gut vorbereitet zu sein – noch vor Naturkatastrophen (42 Prozent) und Terrorismus (35 Prozent).

In allen drei Ländern schätzen die Top-Manager die langfristige Sicherung des finanziellen Erfolges des Unternehmens als die grösste persönliche Herausforderung ein. In der Schweiz ist diese Einschätzung mit 84 Prozent jedoch am ausgeprägtesten. Auch die Verantwortung für Mitarbeiter wird von allen Managern stark gewichtet. Für Schweizer Manager steht sie zusammen mit der ethischen Verantwortung sogar über kurzfristigen finanziellen Zielen.

Wirtschaftliche Entwicklung Westeuropas bereitet Sorgen

Mit einer wirtschaftlichen Stagnation in Westeuropa rechnen 71 Prozent aller Befragten. Interessanterweise ist ein Drittel der Unternehmen nach eigenen Angaben nicht ausreichend darauf vorbereitet. 34 Prozent rechnen mit einer Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens und fast die Hälfte der befragten Manager (47 Prozent) sehen darin eine Bedrohung für das eigene Land als Wirtschaftsstandort.

Schweizer Top-Manager von Finanzdienstleistungsunternehmen sehen sich von einer Stagnation in Westeuropa am wenigsten betroffen. Während für 58 Prozent der Befragten in der Dienstleistungsbranche generell die Stagnation eine grosse Bedrohung darstellt, beträgt dieser Anteil speziell bei Finanzdienstleistungsunternehmen nur 13 Prozent.

Die Wachstumspotenziale werden nicht sehr positiv eingeschätzt. Während nur elf Prozent der Befragten in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit Wachstum rechnen, glauben 18 Prozent der Manager an einen gegenteiligen Trend. „Auf einen steigenden Kosten- und Rentabilitätsdruck haben sich die Unternehmen bereits eingestellt – jedoch noch nicht alle sind auf ein weiter stagnierendes Wachstum vorbereitet. Für den langfristigen Geschäftserfolg wird entscheidend sein, dass es einem Unternehmen gelingt, Wachstumsoffensiven erfolgreich zu lancieren und nachhaltig zu verankern.“, so Joris Gröflin, Associate bei A.T. Kearney Zürich.

Schwellenländer zunehmend Konkurrenten

Parallel zur Entwicklung in Westeuropa ergeben sich neue Chancen in den Schwellenländern Asiens, Mittel- und Osteuropas, Lateinamerikas und des Nahen Ostens. Als grösste Chancen in diesen Ländern sehen Top-Manager die steigende Qualifizierung der Mitarbeiter (69 Prozent) und die verbesserte Infrastruktur (66 Prozent). Allerdings werden von den Top-Managern immer noch einige Aspekte als Risiken wahrgenommen. So sehen 77 Prozent die politische und rechtliche Instabilität in diesen Regionen als Gefahr.

Schweizer Top-Manager schätzen das Marktwachstum in den Märkten Mittel- und Osteuropas sowie des Nahen Ostens niedriger ein als ihre deutschen und österreichischen Kollegen. Alle drei Länder sehen Westeuropa jedoch in der Rolle des Schlusslichts bezüglich Wachstum.

Bedeutungsverlust der Mittelschicht

Nach Einschätzung der Top-Manager erwarten 43 Prozent, dass die Konsumentengruppe „breite Mittelschicht“ an Bedeutung verlieren wird. Trotzdem setzen über 80 Prozent weiterhin auf die breite Mittelschicht und sprechen sie weiterhin vorrangig an. „Die Studienergebnisse zeigen, dass die Manager die veränderte Ausgangslage im Bereich der Konsumentengruppen noch stärker berücksichtigen müssen“, so Gröflin. „Es ist wichtig, dass sich die Unternehmen auch konsequenter auf Luxusgüter und die obere Mittelschicht und/oder auf preiswerte Massenware fokussieren.“

Entsprechend erwarten die Befragten sowohl bei Produkten als auch bei Dienstleistungen eine stärkere Fokussierung auf den Preis als Differenzierungsmerkmal. Service, Qualität und Markenname werden als Muss vorausgesetzt und können immer weniger zur Differenzierung herangezogen werden. „Optimiertes Pricing und Branding werden hier in Zukunft ausschlaggebend sein. Die Wechselwirkung zwischen Preisstrategie und Markenwert wird immer noch häufig unterschätzt. Durch bestmögliche Austarierung können erfolgsentscheidende Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten erzielt werden“, so Tuerks.

Autoren der Studie:
Joris Gröflin, Associate, A. T. Kearney, Zürich
Veronica Schey, Manager, A.T. Kearney, Wien

Weitere Informationen und Studienunterlagen können bei untenstehenden Adressen angefordert werden:
manfred.tuerks@atkearney.com

leo.dietschy@trimedia.ch



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