Flughäfen werden Marktplätze des 21. Jahrhunderts – Flughafen Zürich gut positioniert
Kerngeschäft Luftfahrt verliert für Flughäfen an Bedeutung – anspruchsvolleres Konsumverhalten erfordert Neuorientierung

Zürich, 15. März 2006
Flughäfen müssen sich zu „Metropolen“ entwickeln, um wirtschaftlich langfristig erfolgreich zu sein, so eine aktuelle Studie der weltweit tätigen Unternehmensberatungsfirma A.T. Kearney. Da die Luftfahrt als traditionelles Kerngeschäft von Flughäfen zunehmend unter Druck gerät, müssten sich die Airports konsequent auf die Konsumentenansprüche ausrichten. Dabei gelte es vor allem, die B2B- und B2C-Strategien sinnvoll aufeinander abzustimmen. „Bestimmte Flughäfen schlüpfen bereits jetzt in eine Vorreiterrolle, erfinden sich selbst neu und entwickeln sich von der Passagierabfertigung zum modernen multidimensionalen Erlebnisraum“, so Tourismus-Experte und A.T. Kearney Vice President Stefan Höffinger. Der Flughafen Zürich gehört im europäischen Vergleich zu den Leadern.
Internationale Verkehrswege waren seit Jahrhunderten Ausgangspunkt für die Entwicklung von Städten. Waren einst Häfen, Bahnhöfe und Autobahnen die Zentren der Entwicklung, entwickeln sich heute rund um die Flughäfen moderne „Airport Cities“. Insbesondere in den letzten Jahren haben sich die Rahmenbedingungen für Flughäfen verändert. Umsätze stagnieren oder sinken, Personalkosten steigen. Bei zudem kontinuierlich steigenden Investitionen und sinkenden Einnahmen reicht die Konzentration auf das Geschäft der Luftfahrt und Passagierabfertigung nicht mehr aus, um attraktive Bilanzen zu erzielen. Für Flughäfen bestehe dringender Handlungsbedarf, so Höffinger. „Airports, die morgen zu den Siegern zählen wollen, müssen ihre Strategie unweigerlich auf neue Trends ausrichten.“
Non-Aviation als neues Kerngeschäft – Zürich einer der Spitzenreiter
Dem Geschäftsbereich „Non-Aviation“ – also Einzelhandel, Gastronomie, Parken, Werbung oder Immobilienvermietung – komme folglich immer höhere Bedeutung zu. Manfred Tuerks, Managing Director A.T. Kearney (International) AG, Zürich: „Aus abgefertigten Passagieren werden Kunden.“ Konsum werde immer unabhängiger vom Ort und immer abhängiger von der verfügbaren Zeit. Der zunehmend mobilere und hybride Konsument lege mehr Wert auf Freizeit-, Genuss- und Erlebnisangebote, auf Convenience, Gesundheit und Wellness – und zwar wann und wo er es will. Das erfordere laut Tuerks völlig neue Strategien, da in Zukunft Umsatz- und Ergebniszuwachs fast nur noch über diesen Bereich zu erreichen sein würden. Internationale Best-Practice Flughäfen wie Amsterdam, Athen oder Kopenhagen erzielen mittlerweile fast die Hälfte ihres Gesamtumsatzes und Ertrages im Non-Aviation-Geschäft. Von 15 untersuchten europäischen Flughäfen waren im Jahr 2004 Oslo mit 48%, Kopenhagen mit 47%, München mit 45% und Zürich mit 43% die Top 4 beim Anteil von Non-Aviation am Gesamtumsatz, wobei Oslo und Zürich vom Duty Free-Effekt profitieren. Beim Non-Aviation-Umsatz je Passagier belegte Zürich im 2004 hinter München Rang 2.
Flughäfen als „Airport Cities“ für hybride, mobile Konsumenten
Der Flughafen Amsterdam, europaweit Nummer 4 nach Passagieraufkommen, ist schon einen Schritt weiter gegangen und versteht sich bereits heute als eigene Stadt – eine modern gestaltete Airport City mit einem CEO, der wie ein Bürgermeister versucht, die Bedürfnisse seiner Bewohner bestmöglich zu erfüllen. Der Kunde rückt dabei zunehmend ins Zentrum der Aufmerksamkeit und erhält mit massgeschneiderten Konzepten die Möglichkeit, in eine unverwechselbare, authentische Erlebniswelt einzutauchen. Geboten werden neben länderspezifischen Produkten wie Holzschuhen, Käse oder Tulpen, klassischer Gastronomie und Take-Away-Restaurants auch eine Zweigstelle des Amsterdamer Rijks-Museums. Neben Fitness- und Wellnessangeboten öffnen sich im Konzept „Airport City“ Geschäftsfelder in Bereichen wie Unterhaltung, Aus- und Weiterbildung oder Gesundheit. So hat zum Beispiel das Airport Center München bereits eine eigene Flughafenklinik in Betrieb genommen.
Konsequente Neupositionierung
Künftig gehe es um die langfristige Bindung aller Zielgruppen an die unverwechselbare „Airport City“: der Passagiere, der Besucher und aller Personen, die am Flughafen arbeiten, so Tuerks. „Jeder Flughafen verfügt über einzigartige Elemente, die ihn unverwechselbar machen.“ Dabei bedürfe es der ständigen Überarbeitung und Verbesserung bestehender Standards, um auch langfristig eine klare und unverwechselbare Stellung einnehmen zu können. Der Erfolg der Neupositionierung hängt dabei laut A.T. Kearney davon ab, wie gut Flughäfen die Elemente Business-to-Customer (B2C) und Business-to-Business (B2B) vereinen können, oder wie gut sie – mit anderen Worten – den Fokus auf den Passagier als Kunden und gleichzeitig auf optimierte Prozesse und Aktionärsinteressen setzen können.
Die Erfolgsrezepte von morgen, so Tuerks, basieren auf Kriterien wie geografische Authentizität oder strategische Abstimmung von Shopping und Gastronomie, die bis zu Take Away-Konzepten und der Ansiedlung von Megastores reichen. Zudem könnten Flughäfen, wie es etwa Dubai mit einer Gesamtplanungsfläche von 140 Quadratkilometern zeige, ganze neue Stadtteile entwickeln. |