A.T. Kearney-Studie „The SEPA Shake-out: Challenges in Cards and Payments“ zeigt im europäischen Ländervergleich grosse Kostenunterschiede auf.
Öffnung des europäischen Zahlungsverkehrs (SEPA) ist Startschuss für Kosten-Rallye bei Banken

Zürich, 24. Januar 2008
Europäische Banken weisen stark unterschiedliche Kostenstrukturen für die Abwicklung von Zahlungen auf. Banken aus Deutschland und den Benelux-Ländern weisen die höchste Effizienz auf. Sie ziehen aus der Vereinheitlichung des Zahlungsverkehrs innerhalb der Euro-Länder - Single Euro Payments Area (SEPA) - einen Wettbewerbsvorteil, der ihnen eine europaweite Expansion erlaubt. Das geht aus einer aktuellen Studie der Managementberatung A.T. Kearney hervor. Südeuropäische Banken stehen im Hinblick auf Kosteneffizienz und Service vor grossen Herausforderungen, wenn sie im Bereich Zahlungsverkehrsabwicklung wettbewerbsfähig bleiben wollen.
"Durch die Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrs (SEPA) entsteht ein Markt von jährlich mehr als 70 Milliarden Transaktionen und einen Gesamtvolumen von EUR 60 bis 70 Mrd. Profitieren davon werden jene Banken, die über die besten Kosten- und Service-Strukturen verfügen", sagt Andreas Pratz, Vice President bei A.T. Kearney zur Studie, für die über 40 Banken aus 13 europäischen Ländern einem detaillierten Benchmarking unterzogen wurden.
Enorme Effizienzunterschiede in Europa
"Von einem integrierten SEPA-Markt werden nur die kostengünstigsten und service-orientierten Banken profitieren können. Wir haben allerdings erhebliche Kosten- und Effizienz-Unterschiede beobachtet", meint Jürgen von der Lehr, Co-Autor der Studie: "Das A.T. Kearney-Cards & Payments-Benchmarking hat eine drastische Lücke zwischen führenden Instituten und Nachzüglern identifiziert und zeigt länderübergreifend erhebliche Effizienzunterschiede auf."
Während Banken in den führenden Ländern beleglose Inlandszahlungen zu durchschnittlich etwa einem Cent pro Transaktion abwickeln können, betragen die Kosten in den Ländern am unteren Ende der Skala bis zu 31 Cent. Sogar innerhalb der SEPA-Länder unterscheiden sich die Abwicklungskosten pro Transaktion zwischen den besten und schlechtesten Ländern um bis zu Faktor 8. Da beleglose Inlandszahlungen den Grossteil des Zahlungsvolumens ausmachen, wird das Ausmass der Herausforderung für die Banken in einigen Ländern deutlich.
Preisniveaus gleichen sich an
Innerhalb Europas zahlen Kunden heute für ähnliche Services unterschiedliche Preise. Privatkunden zahlen in den meisten Ländern für Debitkarten gar nichts oder nur geringe Jahresgebühren zwischen 5 und 10 Euro. In Frankreich sind hingegen jährliche Gebühren von 30 bis 40 Euro üblich. Während die Kosten für Lastschriften in Italien im Euro-Bereich liegen, werden Kunden in Deutschland oder den Benelux-Ländern nur Euro-Cent-Beträge berechnet. Diese Unterschiede werden sich durch SEPA verringern. Es wird jedoch kaum ein Preissturz stattfinden, sondern vielmehr eine europaweite Angleichung der Preisstrukturen. "Auf welchem Niveau sich die Preise einpendeln, wird der Wettbewerb zeigen", so Pratz: "In Ländern mit vergleichsweise geringen Gebühren wie Deutschland oder Benelux erwarten wir leichte Preiserhöhungen, während in anderen Ländern wie beispielsweise Frankreich die Gebühren voraussichtlich sinken werden."
SEPA als Bedrohung und Chance zugleich
"Die Veränderungen im Karten- und Zahlungsverkehrsumfeld haben diesen Bereich wieder stärker in das Bewusstsein des Managements der Banken gerückt, und bringen daher auch eine echte Chance mit sich", so von der Lehr. Kurzfristig verursacht SEPA allerdings einige Probleme: Für kleinere Marktteilnehmer wird es schwierig, die nötigen Investitionen zu finanzieren, da diese nicht durch steigende Transaktionsvolumina kompensiert werden können. SEPA zwingt die Banken zur strategischen Entscheidung, sich entweder als führender Anbieter im Markt für Zahlungsverkehrsdienstleistungen zu positionieren, oder die Zahlungsverkehrsabwicklung auszulagern. Andreas Pratz dazu: "Die spezialisierten Dienstleister sind die eindeutigen Gewinner von SEPA. Für Zahlungs- und Kartenabwicklung wird es je fünf bis zehn führende Anbieter geben."
So oder so von SEPA profitieren werden die Kunden, da mit dessen Einführung eine Modernisierung der technischen Infrastruktur und höhere Sicherheitsstandards einhergehen werden. Unternehmen und Institutionen erhalten innerhalb der Euro-Länder einheitliche Produkte, die grenzüberschreitende Zahlungen einfacher und preiswerter machen. |