A.T. Kearneys Global Retail Development Index (GRDI) 2009: Indien wieder attraktivstes Investitionsziel – Fusionen und Übernahmen insbesondere in Osteuropa sind eine attraktive Wachstumsoption
Globalisierung hilft Handelsunternehmen in der Krise

Zürich, 18. Juni 2009
Für Handelsunternehmen, die in Wachstumsmärkte investieren wollen, bieten sich in der aktuellen Wirtschaftskrise enorme Chancen. Ein internationales Engagement kann die Umsatzrückgänge in den Heimatmärkten kompensieren. Durch die Krise haben sich die Wachstumsperspektiven in einigen asiatischen und osteuropäischen Ländern sogar deutlich verbessert. In Osteuropa stellen insbesondere Akquisitionen aufgrund der niedrigen Bewertungen der Einzelhändler eine attraktive Wachstumsoption dar. Das geht aus dem Global Retail Development Index (GRDI) 2009 der Top-Managementberatung A.T. Kearney hervor, der jährlich die Attraktivität von 30 Wachstumsmärkten für Handelsunternehmen untersucht. Indien führt das Ranking als attraktivstes Investitionsziel an, gefolgt von Russland, China, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Vietnam, Chile, Brasilien, Slowenien und Malaysia belegen die Plätze sechs bis zehn.
Einbrechende Umsätze auf den Heimmärkten als Folge zurückhaltender Konsumneigung machen die weltweite Expansion als Wachstumsstrategie für Handelsunternehmen wichtiger. Im Zuge der Rezession sind in vielen Entwicklungsländern die Immobilienpreise an Top-Lagen enorm gesunken. Zudem sind Übernahmen lokaler Einzelhändler wieder attraktiv. In den Wachstumsmärkten wird im Gegensatz zu den meisten Industrieländern mit einem weiteren Anstieg des Bruttoinlandproduktes (BIP) gerechnet. Die Bevölkerung in diesen Ländern ist jünger, stärker urban orientiert und zeigt ein wachsendes Interesse an modernen Einzelhandelsformaten.
„Da sich die wirtschaftlichen Bedingungen in den Industrieländern noch nicht nachhaltig verbessern, entwickeln sich die Wachstumsmärkte zunehmend zu den wichtigsten Wachstumsquellen für internationale Handelsunternehmen,“ sagt Dr. Mirko Warschun, Partner bei A.T. Kearney und verantwortlich für den Handelssektor in Mittel- und Zentraleuropa: „Führende Handelsunternehmen müssen eine Portfoliostrategie entwickeln, die ein Gleichgewicht zwischen grossen, reifen und kleinen, sich entwickelnden Märkten herstellt.“
Grössere, stabile Entwicklungsländer besetzen die Top-Positionen des diesjährigen GRDI, weil sie vom wirtschaftlichen Aufschwung voraussichtlich als erste profitieren. Indien, im letzten Jahr auf Platz zwei, führt den Index zum vierten Mal seit fünf Jahren als das attraktivste Investitionsziel für den Einzelhandel an. Es folgen Russland, China, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Vietnam, Chile, Brasilien, Slowenien und Malaysia.
Schneller Aufschwung in Asien erwartet
„Die asiatischen Länder verfügen über die besten Voraussetzungen für einen schnellen Aufschwung nach der Wirtschaftskrise“, so Warschun: „Gründe dafür sind die anhaltende Nachfrage im Inland, ein kontinuierliches BIP-Wachstum sowie Milliarden Dollar schwere Staatsreserven, die den Regierungen und staatlichen Banken Spielraume für Konjunkturpakete lassen.“
In Indien sehen sich die einheimischen Einzelhändler durch niedrige Wachstumsraten im lokalen Einzelhandel gezwungen, ihre Expansionspläne zu verschieben und Restrukturierungen durchzuführen. Das öffnet Chancen für internationale Handelsunternehmen. Viele von ihnen, darunter Wal-Mart, Carrefour und Tesco, setzen weiterhin auf Expansion – insbesondere auch, weil die indische Mittelschicht über immer mehr finanzielle Mittel verfügt, markenbewusster wird und vertraut ist mit den weltweit etablierten Einzelhandelsformaten. Eine niedrige Inflation und um bis zu 40 Prozent reduzierte Mieten in den Ober- und Mittelzentren sorgten ebenfalls dafür, dass Indien im diesjährigen GRDI das attraktivste Investitionsziel für Handelsunternehmen ist.
In China, der Nummer drei des diesjährigen GRDI, zeigen ein 585 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket und Programme zur Konsumsteigerung erste Erfolge. Die Einzelhandelsumsätze haben sich in den ersten Monaten des Jahres 2009 wieder leicht erholt. Insbesondere die Grossstädte im mittleren und westlichen China ziehen die Aufmerksamkeit investitionswilliger Einzelhandels-ketten auf sich. In diesen Städten sind die Auswirkungen der weltweiten Krise weniger spürbar und sie eignen sich besser für Expansion als die chinesischen Metropolen. Sowohl Wal-Mart (mit 140 Geschäften in China) und Carrefour (135 Geschäfte) haben den Ausbau auch während des wirtschaftlichen Abschwungs weiter vorangetrieben.
Vereinigte Arabische Emirate klettern 16 Plätze nach oben
Die Vereinigten Arabischen Emirate machten den grössten Sprung im diesjährigen GRDI – von Rang 20 auf Rang vier, nicht zuletzt auch deshalb, weil die erdölgetriebene Wirtschaft sich als weitaus resistenter gegenüber der Weltwirtschaftskrise herausgestellt hat als die übrigen Länder. Mit rund fünf Millionen Einwohnern ist die Bevölkerung der Vereinigten Arabischen Emirate zwar relativ klein im Vergleich zu den drei vor ihnen liegenden Ländern, aber sie verfügen über die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben aller im Index aufgeführten Länder. Dubai ist auf dem besten Weg, bis 2010 über die weltweit grösste Einzelhandelsfläche, gemessen an der Zahl der Einwohner, zu verfügen. Der Einzelhandel in Dubai fokussiert heute eher den ortsansässigen Kunden, da der Anteil der Touristen rückläufig ist. Dies eröffnet Verbrauchermärkten und Discountern neue Chancen.
Auch wenn Dubai bislang noch als Synonym für Einzelhandelsexpansion galt, wird sich Abu Dhabi dem aktuellen GRDI zufolge zum zukünftigen Gewinner entwickeln. Aufgrund der reichen Ölvorräte und des Staatsfonds blieb Abu Dhabi weitgehend von der Weltwirtschaftskrise abgeschottet. Für die Zukunft sind mehrere neue Museen und ein Formel-1-Rennen geplant, was weitere Touristen anlocken wird. Zudem wird voraussichtlich die Immigration zunehmen, da Abu Dhabi eine nahe gelegene Alternative zu Dubai ist. Neue Stadtentwicklungen werden das Immobilienangebot vergrössern und das erhöhte Bewusstsein der Bevölkerung für internationale Marken wird den ausländischen Einzelhandelsketten weiteres Potenzial eröffnen.
Russland und Osteuropa weiterhin attraktiv
Obwohl für dieses Jahr von einem Rückgang des BIP-Wachstums ausgegangen wird, birgt Russland weiterhin grosses Potenzial für den Einzelhandel und ist die Nummer zwei des GRDI 2009. Prognostiziert wird für die nächsten fünf Jahre eine 15-prozentige Steigerung der Einzelhandelsumsätze, bei einem wiederbelebten Food- und Non-Food-Umsatz im Jahr 2010. Der lokale, fragmentierte Einzelhandelsmarkt in Russland – die führenden fünf Handelsunternehmen erwirtschaften knapp über 7 Prozent des Umsatzes – und die niedrigen Bewertungen stellen für schnell wachsende Einzelhandelsunternehmen attraktive Wachstumschancen dar – insbesondere auch durch Akquisitionen.
„Auch wenn die Länder in Osteuropa stark von der weltweiten Rezession betroffen sind, sie sind weiterhin sehr attraktiv für internationale Handelsunternehmen“, so Warschun. Neben Russland sind mit Slowenien, Lettland, Litauen und der Ukraine insgesamt fünf osteuropäische Länder unter den Top 20 vertreten. Aufgrund ihrer Marktattraktivität verbunden mir einem begrenzten Länderrisiko konnten sich Slowenien und Litauen um je 14 Plätze, Lettland um acht Plätze verbessern. Kroatien schaffte mit Rang 24 den Sprung in das diesjährige Ranking der 30 attraktivsten Wachstumsmärkte. Deutsche Einzelhändler wie Hofer (Aldi Süd), Lidl (Schwarz-Gruppe) und Billa (Rewe) machen beispielsweise in Südosteuropa regionalen Anbietern wie Mercator zunehmend Konkurrenz.
Letztjähriger Spitzenreiter Vietnam fällt zurück
Vietnam, der Spitzenreiter im letztjährigen GRDI, fiel auf Rang sechs zurück, vor allem wegen des Inflationsdrucks im Zuge des Immobilienbooms und der Preisinflation in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 sowie eines signifikanten Rückgangs seiner exportgetriebenen Wirtschaft. Dennoch haben sich viele globale Handelsunternehmen in Vietnam sehr gut etabliert, wie zum Beispiel die deutsche Metro Group, Lotte aus Südkorea, Seiyu aus Japan, Parkson aus Malaysia und Dairy Farm aus Hongkong.
„Vietnam muss einige kurzfristige Herausforderungen meistern, aber unsere Langfristperspektive für das Land bleibt positiv“, so Warschun: „Vor allem deshalb, da die Regierung ihre Tür für internationale Investoren weit öffnet. Die Bevölkerung ist jung und verstärkt städtisch orientiert, was es den Anbietern leichter macht, die lokale Nachfrage zu erfüllen.“
A.T. Kearney Global Retail Development Index 2009| Land | Rang 2009 | Rang 2008 | Veränderung | | Indien | 1 | 2 | +1 | | Russland | 2 | 3 | +1 | | China | 3 | 4 | +1 | | Vereinigte Arabische Emirate | 4 | 20
| +16
| | Saudi-Arabien | 5
| 7
| +2
| | Vietnam | 6 | 1 | -5 | | Chile | 7
| 8 | +1 | | Brasilien | 8 | 9 | +1
| | Slowenien | 9 | 23 | +14
| | Malaysia | 10 | 13 | +3 | | Algerien | 11 | 12 | +1
| | Mexiko | 12 | 11 | -1 | | Lettland | 13 | 21 | +8
| | Tunesien | 14 | 18 | +4
| | Ägypten | 15 | 5 | -10
| | Litauen | 16 | 30 | +14
| | Ukraine | 17 | 17 | 0
| | Peru | 18 | 14 | -4 | | Marokko | 19 | 6 | -13 | | Türkei | 20 | 10 | -10 | | Bulgarien | 21 | 16 | -5
| | Indonesien | 22 | 15 | -7 | | Rumänien | 23 | 22 | -1
| | Kroatien | 24 | N/A | N/A
| | Philippinen | 25 | 26 | +1 | | Thailand | 26 | 24 | -2
| | Ungarn | 27 | N/A | N/A
| | Kolumbien | 28 | 19 | -9
| | El Salvador | 29 | N/A | N/A | | Argentinien | 30 | 28 | -2 |
A.T. Kearney Global Retail Development Index 2009
A.T. Kearneys Global Retail Development Index (GRDI) unterstützt seit 2001 Handelsunternehmen bei der Priorisierung ihrer globalen Entwicklungsstrategien durch ein Ranking der 30 attraktivsten Wachstumsländer. Dabei werden 25 Variablen berücksichtigt wie etwa ökonomisches und politisches Risiko, Attraktivität des Einzelhandelsmarktes, Sättigungsgrad des Einzelhandelsmarktes und Verhältnis zwischen Bruttoinlandsprodukt und Wachstumsrate des Einzelhandels.
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