Zukünftig werden sich mehr als die Hälfte der weltweit führenden Unternehmen gegen Zulieferer entscheiden, wenn diese keine CO2-Reduktion umsetzen
Klimaschutz wird zentraler Faktor im Supply Chain Management globaler Unternehmen

Zürich, 21. April 2010
Global agierende Unternehmen erwarten heute, dass ihre Lieferanten Strategien und Massnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen implementieren, und sehen darin ein wichtiges Auswahlkriterium für die Zusammenarbeit. Das hat ein Bericht der Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project (CDP) ergeben. Für den zweiten Jahresbericht des CDP Supply Chain-Programms hat die Schweizer Niederlassung der Strategieberatung A.T. Kearney die klimarelevanten Daten von 710 Lieferanten ausgewertet (*). Zu den Mitgliedsunternehmen des CDP Supply Chain-Programms zählen globale Konzerne, darunter auch solche mit umfangreichen (Sourcing-) Aktivitäten in der Schweiz wie Google, IBM, PepsiCo, Procter & Gamble oder Unilever. Diese Unternehmen halten ihre Zulieferer dazu an, die entsprechenden Daten im Rahmen des CDP Supply Chain-Programms offenzulegen. Obwohl der Bericht bei den Lieferanten im Vergleich zu den Vorjahresergebnissen eine wesentliche Verbesserung aufzeigt, besteht weiterhin Handlungsbedarf.
Die 44 Mitgliedsunternehmen des CDP Supply Chain-Programms sind in ihren Segmenten Vorreiter für das CO2-Management und erwarten von ihren Lieferanten ebenfalls Nachweise für wirksame Klima-Management-Strategien:
 | | 89 Prozent der CDP Supply Chain-Mitglieder haben bereits eine Strategie für die Auswahl ihrer Lieferanten nach dem Kriterium des CO2-Ausstosses eingeführt. |  | | 91 Prozent der Mitgliedsunternehmen haben einen Verantwortlichen für den Klimaschutz auf Konzernleitungsebene ernannt. Bei den Global 500 Unternehmen beträgt dieser Anteil hingegen 80 Prozent.(**) |  | | 90 Prozent der Mitglieder haben ein Programm zur Reduktion der klimaschädlichen Emissionen oder des Energieverbrauchs implementiert. Bei den Global 500 Unternehmen beträgt dieser Anteil 51 Prozent.(**) |
Die Mehrheit der CDP Supply Chain-Mitglieder (56 Prozent) haben ausserdem die Absicht geäussert, Anbietern, die ihren Klimazielen nicht gerecht werden, im Zweifelsfall keinen Zuschlag mehr zu geben. Aktuell entscheiden sich nur 6 Prozent der Mitglieder gegen Lieferanten, die sich nicht um eine Reduktion ihres CO2-Ausstosses bemühen. Einige Mitglieder gaben sogar an, dass sie Verträge entwickeln, die eine Verbesserung der CO2-Bilanz zur Bedingung machen. Diese Unternehmen haben sich entschlossen, dem Gesetzgeber mit entsprechenden Massnahmen zuvorzukommen, weil diese auch wirtschaftlich sinnvoll sind.
„Die Reduktion der Treibhausgasemissionen wird in unseren Augen als Kriterium für das Supply Chain Management immer wichtiger. Die Zusammenarbeit mit Lieferanten, die sich der Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Geschäft bewusst sind und Klimaschutzstrategien entwickelt haben, ist für uns geschäftlich sinnvoll“, erläutert Brad Minnis, Director of Environmental, Health, Safety and Security bei Juniper Networks.
Der Bericht verdeutlicht zudem, dass die Mitglieder des CDP Supply Chain-Programms in den kommenden fünf Jahren dem Klimaschutz drei Mal mehr Bedeutung zumessen werden als traditionellen Aspekten der Beschaffung.
„Es hat sich gezeigt, dass manche Unternehmen schon jetzt von ihren Lieferanten fordern, die Reduzierung der Treibhausgase als geschäftliches Kernthema zu behandeln. In den Augen der Entscheider entwickelt sich dieses Kriterium zunehmend von einem ‚Pluspunkt‘ in ein ‚Muss‘, und wir rechnen damit, dass sich dieser Trend in allen Branchen verstärken wird“, kommentiert Paul Dickinson, CEO von CDP.
Die Studie hat jedoch auch ergeben, dass – obwohl ein bedeutender Teil der CO2-Emissionen normalerweise innerhalb der Supply Chain entsteht – die Messung der Emissionen in ihrer Lieferkette für die Mitgliedsunternehmen immer noch schwierig ist und demzufolge nur 20 Prozent der Unternehmen Zahlen dazu angeben können.
Daniel Mahler, Partner und Leiter Schweiz von A.T. Kearney und einer der Verantwortlichen für die Durchführung der Studie, berichtet: „Die grossen Unternehmen nehmen die Reduzierung des CO2-Ausstosses ernst und entwickeln entsprechende Strategien für ihr Supply Chain Management. CEOs dieser Unternehmen fordern von ihren Lieferanten effiziente Programme für die Reduzierung der CO2-Emissionen – nicht nur wegen der ökologischen Nachhaltigkeit, sondern auch wegen der Kostenvorteile. Bevor hier Fortschritte erzielbar sind, werden weitere Unternehmen und Lieferanten Anstrengungen unternehmen müssen, um ihre Strategien zur Emissionsreduktion in messbare Ziele und Prozesse zu übersetzen.“
Im Jahr 2009 nahmen 48 Prozent der 710 Lieferanten, die ihren Status Quo im Rahmen des CDP Supply Chain-Programms für ihre Kunden offengelegt haben, zum ersten Mal an der Studie teil. Die Mehrheit dieser Unternehmen (60 Prozent) hat ein Konzernleitungsmitglied zum Klimabeauftragten ernannt. Obwohl 56 Prozent der Unternehmen einen Plan zur Reduzierung des CO2-Ausstosses in Kraft gesetzt haben, legten nur 38 Prozent eindeutige Zielsetzungen fest, die noch dazu für eher kurze Zeiträume (überwiegend unter zwei Jahren) gelten. Die befragten Unternehmen berichten zudem von beträchtlichen Kostenvorteilen durch CO2-Reduktionsprogramme. Unternehmen wie Hewlett-Packard und die Allianz konstatieren ausserdem erhebliche Geschäftsvorteile durch die strategische Ausrichtung auf den Klimaschutz.
(*) Die Zulieferer werden dazu aufgefordert, über ihre Treibhausgasemissionen und Ziele zur Reduzierung derselben sowie ihre Unternehmensstrategien und die Bewertung von Risiken und Chancen im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu berichten. (**) 82 Prozent der 500 weltweit grössten Unternehmen berichten ebenfalls an die CDP.
Teilnehmende Unternehmen:
Acer, BAE Systems, Bank of America, Baxter International, Cadbury, Carrefour, Colgate-Palmolive Company, ConAgra Foods, Dell, EMC Corporation, ENEL, FIJI Water, GlaxoSmithKline, Google, H.J. Heinz Company, HP, IBM, Imperial Tobacco Group, Johnson & Johnson, Johnson Controls, Juniper Networks, Kao, L'Oréal, Logica, National Australia Group Europe, National Grid, Newmont Mining Corporation, PepsiCo, Procter & Gamble Company, Reckitt Benckiser, Royal Mail Group, Sony Corporation, Unilever, Vivendi, Vodafone Group.
Über CDP
Carbon Disclosure Project (CDP) ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die Schlüsseldaten von 2.500 Unternehmen zum Thema Klimawandel sammelt und mittlerweile über die grösste Datenbank mit Informationen zu Treibhausgasemissionen und Klimaschutzstrategien der Unternehmen verfügt. Seit der Gründung im Jahr 2000 widmet sich das CDP der Erhebung von klimarelevanten Daten für Investment-Portfolios von über 475 institutionellen Anlegern, die ein Vermögen von insgesamt mehr als 55 Billionen US-Dollar verwalten, sowie für Lieferketten von Unternehmen und dem öffentlichen Sektor.
Weitere Informationen sind unter
www.cdproject.net verfügbar.
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